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Vibe-Coding oder Spec-Driven Development: woran du den Unterschied erkennst

Vibe-Coding heißt: Eine KI schreibt den Code nach Zuruf, und niemand liest ihn. Beim Spec-Driven Development steht vorher schriftlich fest, was gebaut wird und woran man erkennt, dass es fertig ist. Beide Wege nutzen KI. Der Unterschied liegt in Anforderung, Abnahme und Prüfung, und genau die entscheiden, ob du deine Website später noch ändern kannst.

Was Vibe-Coding ist und wofür es gedacht war

Vibe-CodingSoftware per Zuruf an eine KI bauen und das Ergebnis übernehmen, ohne den erzeugten Code zu lesen oder zu prüfen. ist Programmieren per Zuruf: Du beschreibst einer KI, was entstehen soll, übernimmst das Ergebnis und gibst Fehlermeldungen einfach an sie zurück. Den Begriff hat der KI-Forscher Andrej Karpathy im Februar 2025 mit dem Zusatz geprägt, man vergesse dabei, dass es den Code überhaupt gibt.

There’s a new kind of coding I call “vibe coding”, where you fully give in to the vibes, embrace exponentials, and forget that the code even exists.
Andrej Karpathy,

Gedacht war das für Wegwerfprojekte am Wochenende. Ein Jahr später nannte Karpathy den Beitrag einen spontanen Einfall, der zufällig zur richtigen Zeit den passenden Namen geliefert habe. Der Name blieb, die Arbeitsweise hat die Wochenendprojekte längst verlassen.

This was a shower of thoughts throwaway tweet that I just fired off
Andrej Karpathy,

Als Entwurf ist daran nichts falsch. Ein Klickdummy, der nach einer Stunde steht, beantwortet manche Frage schneller als jede Besprechung. Schwierig wird es, wenn der Entwurf ungeprüft live geht. Dann steht niemand für einen Code gerade, den nie jemand gelesen hat.

Woran du eine ungeprüft generierte Website erkennst

Einen Blick in den Quellcode brauchst du dafür nicht. Die typischen Fehler zeigen sich an der Oberfläche, sobald du die Seite anders bedienst als mit der Maus: per Tastatur, vergrößert oder auf einem kleinen Bildschirm.

Der Trend ist messbar. Die WebAIM Million 2026 (öffnet in neuem Tab) prüft jedes Jahr die Startseiten der eine Million meistbesuchten Websites automatisch. 95,9 Prozent haben erkennbare Fehler nach den WCAGDer internationale Standard für barrierefreie Websites, gestuft in die Konformitätsstufen A, AA und AAA., im Schnitt 56 pro Seite. Nach sechs Jahren leichter Besserung steigen beide Werte wieder. Das WebAIM-Team nennt als wahrscheinliche Ursache unter anderem KI-gestützte Programmierung, ausdrücklich mit dem Stichwort „vibe coding". Den Zusammenhang vermutet der Bericht, belegen kann er ihn mit diesen Daten nicht. Die vier Muster darunter prüfst du an jeder Seite selbst.

Die Seite scrollt anders, als du scrollst

Ein Dreh am Mausrad springt einen ganzen Bildschirm weiter oder zieht Inhalte seitlich vorbei. Dieses Scrolljacking sieht in der Vorschau eindrucksvoll aus und entsteht per Prompt in Sekunden. Mit Tastatur, Screenreader oder vergrößerter Ansicht verlierst du dabei den Faden, auf dem Handy bleibst du oft zwischen zwei Abschnitten hängen.

Die Tab-Taste springt kreuz und quer

Drück auf der Seite ein paarmal die Tab-Taste. Der sichtbare Rahmen sollte der Lesereihenfolge folgen, von oben nach unten. Springt er ins Menü, dann in den Footer und wieder zurück, oder siehst du ihn gar nicht, hat die Fokusreihenfolge nie jemand geprüft.

ARIA-Attribute an jeder Ecke

ARIA ist eine Zusatzsprache für Screenreader, gedacht für Fälle, in denen HTML allein nicht reicht. Laut WebAIM stieg ihr Anteil auf Startseiten 2026 binnen eines Jahres um 27 Prozent, und Seiten mit ARIA hatten im Schnitt 59 statt 42 erkennbare Fehler. Sauberes semantisches HTMLAuszeichnung, die sagt, was ein Element ist, nicht nur wie es aussieht. kommt mit wenig davon aus.

Felder ohne Beschriftung, Bilder ohne Beschreibung

Ein Eingabefeld, dessen Beschriftung nur als grauer Platzhalter darin steht, ein Bild ohne AlternativtextDie Textbeschreibung eines Bildes im Quelltext, vorgelesen von Hilfstechnik und angezeigt, wenn das Bild nicht lädt.: Beides betrifft laut WebAIM jeweils rund die Hälfte aller Startseiten. Ein Generator reproduziert, was im Netz häufig ist, solange niemand eine Regel dagegen setzt.

Menschen machen diese Fehler seit Jahren. Ein Generator erzeugt sie schneller, als jemand hinschauen kann, und ohne Abnahme fallen sie auch später niemandem auf. Wo eine Website unter das BFSGDeutsches Gesetz, das seit Juni 2025 von vielen Anbietern barrierefreie digitale Angebote verlangt. fällt, wird aus dem Schönheitsfehler ein rechtliches Risiko.

Billig rein, teuer raus: das Roach-Motel-Muster

Roach Motel heißt im UX-Design ein Dark Pattern, bei dem der Einstieg leicht ist und der Ausstieg schwer, wie bei einem Abo, das sich mit einem Klick abschließen und nur per Brief kündigen lässt. Eine ungeprüft generierte Website folgt demselben Prinzip, auch wenn das niemand so geplant hat.

Der Einstieg kostet wenig. Teuer wird die erste größere Änderung: ein neuer Bereich, ein Buchungsformular, die Anpassung an die Barrierefreiheitspflicht. Wer den Auftrag übernimmt, findet Code ohne Beschreibung und ohne Tests. Bevor sich dort etwas ändern lässt, heißt es rückwärts lesen, was die Seite eigentlich tun soll. Ab einer gewissen Größe ist ein Neubau billiger.

Die Mechanik kennst du vom Vendor Lock-in: Die Abhängigkeit entsteht hier durch fehlende Dokumentation. Sie trifft sogar den ursprünglichen Anbieter, denn auch der hat den Code nie gelesen. Ein günstiger Festpreis ist für sich kein Warnsignal. Entscheidend ist, was darin steckt: eine Prüfung, eine Dokumentation und eine Person, die dir die Seite erklären kann.

Was Spec-Driven Development anders macht

Beim Spec-Driven DevelopmentEntwicklung nach einer schriftlichen Anforderung mit Abnahmekriterien, gegen die das Ergebnis geprüft wird, auch wenn eine KI den Code schreibt. steht vor dem ersten Code eine Spezifikation: was gebaut wird, für wen und woran man erkennt, dass es fertig ist. Den Code darf eine KI schreiben. Geprüft wird er gegen diese Abnahmekriterien, von einem Menschen oder von einem automatischen Test.

FrageVibe-CodingSpec-Driven Development
Was gebaut wird ergibt sich im Chat steht vorher schriftlich fest
Wann es fertig ist wenn es gut aussieht wenn die Abnahmekriterien erfüllt sind
Barrierefreiheit dem Zufall überlassen Prüfpunkt mit Werkzeug und Handtest
Wer den Aufbau kennt niemand die Spezifikation und wer sie pflegt
Spätere Änderung rückwärts lesen oder neu bauen Spezifikation anpassen, Prüfung erneut laufen lassen

Der Begriff ist jung, und die Werkzeuge dafür sind umstritten. Birgitta Böckeler, Distinguished Engineer bei Thoughtworks, hat drei davon getestet (öffnet in neuem Tab) und unterscheidet drei Stufen: Die Spezifikation gilt für eine einzelne Aufgabe, sie wird als lebendes Dokument mit dem Projekt weitergepflegt, oder sie ersetzt den Code als Hauptquelle ganz.

Ihre Kritik fällt deutlich aus. Die Werkzeuge erzeugten so viele Markdown-Dateien, dass sie lieber gleich den Code geprüft hätte. Aus einem kleinen Fehler machte eines vier User Stories mit 16 Abnahmekriterien. Und der Agent hielt sich trotz aller Vorgaben oft nicht daran: eine trügerische Kontrolle, wie sie es nennt. Eine Spezifikation ersetzt also keine Prüfung. Sie macht Prüfung erst möglich.

So entsteht diese Website

janraap.de ist im September 2026 von Nuxt auf Grav umgezogen: 76 Seiten portiert, 42 Weiterleitungsregeln. Ein großer Teil der Umsetzung läuft über KI-Agenten. Gearbeitet wird nach der zweiten Stufe, mit lebender Projektdokumentation und automatischen Prüfungen vor jeder Abnahme.

  1. Das Prüfkriterium steht vor der Arbeit

    Jede Aufgabe bekommt beim Anlegen ein Feld, das beschreibt, woran man ihr Ergebnis erkennt. Für diesen Artikel hieß es unter anderem: Die Seite ist unter /wissen erreichbar, im Hub verlinkt, und die Prüfskripte für Sprungmarken und HTML-Struktur laufen ohne Befund. Erst im Nachhinein formuliert, würde so ein Kriterium nur beschreiben, was ohnehin passiert ist.

  2. Die Spezifikation lebt mit dem Projekt

    Die Spezifikation steckt in Projektdokumenten, die jede Arbeitssitzung zuerst liest: eine Projektanweisung, einen Komponentenindex, ein Designsystem und 18 verbindliche Konventionen, etwa zu Alternativtexten, Seitenbreiten oder FAQ-Fragen. Ändert sich eine Regel, ersetzt die neue Fassung die alte.

  3. Maschinen prüfen, was sich prüfen lässt

    Fünf Prüfskripte laufen gegen den Entwicklungsserver: tote Sprungmarken, Blockelemente an falscher Stelle im HTML, Alternativtexte gegen die Konvention, die Bildbeschreibungen der Vorschaubilder für soziale Netzwerke und die Passung von FAQ-Fragen zu ihren Antworten. Ein Befund blockiert die Abnahme. Tonfall, Gestaltung und ob ein Text überhaupt stimmt, prüfe ich selbst.

  4. Aus Fehlern werden Regeln

    Fehler landen mit Datum und Symptom in einer eigenen Datei, in den elf Tagen vor diesem Artikel kamen 20 Einträge dazu. Ein Beispiel: Eine umformulierte FAQ-Frage passte nicht mehr zum ersten Satz der Antwort darunter. Grav renderte fehlerfrei, die Seite las sich nur schief. Daraus wurden eine Konvention und ein Prüfskript, das diesen Fehler seitdem bei jeder neuen Frage findet.

Das ist Aufwand, und er fällt am Anfang an. Jede spätere Änderung wird dadurch billiger, weil die Prüfung schon steht und die Regeln nachlesbar sind. Wie der Umzug selbst ablief und warum die Mehrsprachigkeit auf Nuxt Eigenbau war, steht in der Fallstudie Eigene Website auf Nuxt 4.

Wo auch eine Spezifikation nicht trägt

Wie sich eine Suche anfühlt, klärt kein Papier. Der TypeScript-Trainer Matt Pocock hält ausführliche Spezifikationen deshalb oft für die falsche Investition, solange niemand etwas Lauffähiges gesehen hat.

In seinem Video zum Thema (öffnet in neuem Tab) plädiert er für Prototypen: Wegwerfcode, der genau eine Frage beantwortet. Die kosten heute kaum noch etwas. Sein Kernsatz: Der Sprung von Besprechung und Spezifikation zu produktionsreifem Code ist groß, der von einem funktionierenden Prototyp dorthin klein.

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Mit dem Spec-Driven-Ansatz verträgt sich das gut. Ein Prototyp ist Vibe-Coding mit Ablaufdatum: Er beantwortet eine Frage, danach wird er weggeworfen oder gegen die Spezifikation sauber neu gebaut. Wie beides zusammengeht, Spezifikation für das Was, Prototyp für das Wie und lebende Dokumentation als Gedächtnis, ist Thema eines eigenen Artikels.

Prüffragen an deinen Anbieter

Ob eine Website gebaut oder nur generiert wurde, zeigt sich im Erstgespräch. Eine gute Antwort nennt ein Dokument, ein Werkzeug oder eine Person.

Die Fragen zu Domain, Hosting und Nutzungsrechten stehen im Ratgeber zum Vendor Lock-in.

Ich arbeite täglich mit KI. Entscheidend ist, ob vorher jemand festgelegt hat, was richtig ist, und es danach geprüft hat. Vibe-Coding überspringt genau diesen Schritt, Spec-Driven Development macht ihn zur Grundlage.

Deine Website auf dem Prüfstand

Ich prüfe deine bestehende Seite oder ein Angebot auf die Muster aus diesem Ratgeber: Tastaturbedienung, Fokusreihenfolge, Formulare und Dokumentation. Danach weißt du, ob sich Weiterbauen lohnt oder ein Neubau günstiger ist.

Prüfung anfragen

Häufige Fragen

  • Was ist Vibe-Coding, und taugt eine so gebaute Website?

    Eine Arbeitsweise, bei der eine KI den Code schreibt und niemand prüft, was sie liefert. Als Entwurf taugt das, als ausgelieferte Website selten. Es fehlen die Abnahmekriterien, gegen die jemand Barrierefreiheit, Tempo und Sicherheit geprüft hätte, und es fehlt eine Person, die den Aufbau kennt. Den günstigen Einstieg zahlst du spätestens beim ersten Umbau nach.

  • Kann man eine mit KI generierte Website später weiterentwickeln?

    Ja, wenn sie nach einer Spezifikation gebaut und dokumentiert wurde. Dann ist es egal, ob eine KI oder ein Mensch den Code geschrieben hat: Jede Fachperson kann nachlesen, was die Seite tun soll, und prüfen, ob sie es noch tut. Fehlt beides, beginnt jede Änderung damit, den bestehenden Code zu entschlüsseln, und diese Zeit steht auf jeder Rechnung.

  • Kann KI meine Website auf Barrierefreiheit prüfen?

    Teilweise. Automatische Prüfungen finden zuverlässig, was messbar ist: fehlende Alternativtexte, Kontraste unter 4,5:1, Formularfelder ohne Beschriftung. Ob ein Alternativtext das Bild wirklich beschreibt, ob die Tastaturreihenfolge Sinn ergibt, ob eine Fehlermeldung verständlich ist, entscheidet ein Mensch. Ich fahre beides: die maschinelle Prüfung als Netz, den Durchgang von Hand als Urteil.

Weiterführende Informationen

  • Vendor Lock-in

    Domain, Hosting, Code und Dokumentation: die Prüffragen, mit denen du vor der Unterschrift erkennst, ob du später wieder herauskommst.

  • Eigene Website auf Nuxt 4

    Die Fallstudie zum Umzug dieser Seite: vom eingestellten WordPress-Builder über Nuxt 4 zu Grav.

  • KI-Integration

    Wo KI in deinem Betrieb Arbeit abnimmt und wie ich sie mit Prüfung und Freigabe einbaue.

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